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Erdbeeranbau im Tunnel

Anbau in Dämmen
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Anbau in Dämmen
© Linnemannstöns
Der geschützte Anbau von Erdbeeren gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die Entwicklung begann vor etwa acht Jahren mit dem Einsatz von Wandertunneln zur Verfrühung. Mittlerweile macht man sich Gedanken über den Anbau in stationären Tunneln im Substrat. Die Tunnelanbaufläche dürfte in Deutschland inzwischen bei etwa 300 bis 400 ha liegen, Tendenz steigend. Das entspricht zwar nur drei Prozent der Produktionsfläche, da die Erträge aber erheblich höher liegen als im Freiland ist der Mengenanteil deutlich größer.

In den europäischen Nachbarländern setzte die Entwicklung zum geschützten Anbau schon früher ein und ist dementsprechend weiter fortgeschritten. Spanische Erdbeeren sind praktisch komplett übertunnelt. In England wird für die Supermarktketten ebenfalls nur noch geschützt produziert. Auch in den Beneluxstaaten nimmt der Anteil geschützter Ware zu. Es ist zu erwarten, dass die begonnene Entwicklung auch in Deutschland weiter gehen wird, wobei zwischen Wandertunnel und stationären Tunneln zu unterscheiden ist.

Anbau im Wandertunnel

Wandertunnel
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Wandertunnel
© Linnemannstöns
Technik: Verschiedene Hersteller (Haygrove, Casado, FVG, Hochstädter) bieten 5,50 bis 9,50 m breite Tunnel an. Rundbögen werden in einem Abstand von etwa 2 m auf Bodenankern gesetzt. Eine PE-Folie, in der Regel 150 bis 200 µm stark, wird über die Bögen aufgezogen und mit Halteschnüren befestigt. Die Eingänge werden mit verschiedenen Türsystemen (Klapptüre, Rolltür oder Bogentür) verschlossen.
Auch wenn die Bauweise vergleichsweise einfach ist, ist eine intensive Beratung notwendig, um vor allem das Risiko von Sturmschäden klein zu halten. Es handelt sich hierbei um preiswerte Konstruktionen, die je nach Ausführung etwa zwischen 4 und 7 Euro/m² kosten.
Verfrühung: Die Wandertunnel werden hauptsächlich zur Verfrühung der Erdbeerkultur eingesetzt. Die Verfrühungswirkung beträgt je nach Jahr, im Vergleich zur Doppelabdeckung, bezogen auf die Erntemitte etwa 8 bis 18 Tage, bezogen auf den Erntebeginn sind es noch einige Tage mehr. In Köln-Auweiler kann man in normalen Jahren bei Frühsorten im Tunnel von einem sicheren Erntebeginn in der ersten Maiwoche ausgehen. Bei der frühen Sorte Clery werden dann etwa 80 bis 90 Prozent im Mai geerntet. Um diesen Verfrühungseffekt sicher zu realisieren, muss der Tunnel rechtzeitig vollständig geschlossen werden. In der Regel sollte ab Ende Januar der erstbeste Termin zum Schließen genutzt werden. Spätestens am 20. Februar sollten die Tunnel geschlossen sein. Durch die ersten sonnigen Tage ab Mitte Februar heizt sich der Tunnel bereits auf, was sich günstig auf die Verfrühung auswirkt. Ein Schließen bereits Anfang/Mitte Januar ist in der Regel nicht sinnvoll, da dann die notwendigen Kältestunden für die Pflanzen noch nicht erreicht sind. Auch steigt das Risiko von Schneelasten und Winterstürmen.
Wenn der Tunnel geschlossen wird, erfolgt gleichzeitig im Inneren die Auflage eines Verfrühungsvlieses (19 bis 22 g/m²). Häufig verwendet man das gleiche Vlies, mit dem man die Erdbeerpflanzen vor Winterfrösten geschützt hat. Das Vlies bleibt bis zum Blühbeginn liegen.

Ab Mitte März heißt es lüften
Lüften: Die optimalen Temperaturen für Erdbeeren im Tunnel liegen am Tag bei etwa 20 bis 22 °C und in der Nacht bei etwa 8 bis 10 °C. Um eine gute Verfrühung zu erreichen, können Temperaturen bis etwa 28 °C bis Mitte der Blüte akzeptiert werden. Bei höheren Temperaturen muss rechtzeitig gelüftet werden. In der Regel geht man so vor, dass der Tunnel bis etwa 20. März geschlossen bleibt. Bei starker Sonneneinstrahlung lüftet man dann zunächst bei noch geschlossenem Vlies morgens und schließt abends wieder. Ab Blühbeginn muss täglich gelüftet werden, damit die Blüten bis zum späten Vormittag abgetrocknet sind. Nur dann ist eine gute Befruchtung gesichert.
Die Lüftungsintensität richtet sich nach der Sonneneinstrahlung. Man beginnt an jedem achten bis zehnten Bogen zu lüften, bis man zunächst die windabgekehrte Seite vollständig geöffnet hat. Bei starker Erwärmung sind beide Seiten zu lüften. Ab Erntebeginn bei Nachttemperaturen von mehr als 6 °C bleiben die Tunnel auch nachts gelüftet. Dadurch verliert man zwar geringfügig an Frühzeitigkeit, aber die Früchte bleiben stabiler und schmecken auch besser.
Anbautechnik: In der Regel werden die Erdbeeren im Tunnel im Dammanbau kultiviert. Die Dämme sind mit schwarzer Mulchfolie bedeckt und führen zu einer geringen zusätzlichen Verfrühung, zu mehr Ertragssicherheit und auch zu etwas höheren Erträgen als eine ebenerdige Kultur. In einem 8 m Tunnel kann man in sieben Einzelreihen oder vier bis fünf Dämmen mit Doppelreihen anbauen.
Für den verfrühten Anbau ist die Verwendung von Grünpflanzen die beste Anbauform. Hinsichtlich Fruchtqualität, Fruchtgröße und Frühzeitigkeit sind sie anderen Pflanzmaterialien überlegen. Der Gesamtertrag ist zwar oft etwas geringer als beim Anbau von Frigo-Pflanzen oder als beim zweijährigen Anbau, der Anteil an Klasse I-Früchten ist allerdings in der Regel deutlich besser.

Clery ist derzeit Standardsorte

Sorten: Standardsorte für den verfrühten Anbau im Wandertunnel ist inzwischen Clery. Mit den sehr frühen Sorten Alba, Diana, Flair oder Anita werden Versuche gemacht. Als mittelfrühe Sorte ist Darselect für den Tunnel ebenfalls geeignet. Hier gibt es auch gute Erfahrungen mit Donna und Elianny. Elsanta wird für den Tunnelanbau in der Regel nicht mehr empfohlen, da die Sorte zu spät ist. Eine Ausnahme sind spät (10. Juli) gesetzte Terminkulturen, die im Folgejahr in der Regel genauso früh sind wie eine Darselect-Grünpflanze.
Doppelnutzung von Tunneln: Da der Tunnelanbau relativ teuer ist, könnte die Rentabilität durch eine zweite Ernte verbessert werden. Hierzu werden zwischen dem 1. und 20. Juli Wartebeetpflanzen oder Frigo A+ Pflanzen gesetzt. Eine erste Ernte erfolgt von Ende August bis Anfang Oktober, eine zweite Ernte im Frühjahr. Der Flächenertrag pro Jahr wird dadurch gesteigert, allerdings ist der Ertrag im Frühjahr im Vergleich zur Grünpflanze etwas niedriger. Problematisch ist vor allem, dass im Herbst oftmals keine guten Preise zu erzielen sind und dass dieses Anbauverfahren dann im Herbst nicht kostendeckend ist. Auch das Pflanzmaterial ist deutlich teurer.
Pflanzenschutz: Der Krankheits- und Schädlingsdruck ist im Tunnel im Vergleich zum Freiland verändert. Die Läuse- und Spinnmilbenpopulation baut sich früher und stärker auf. Eine rechtzeitige Bekämpfung ist notwendig. Die Botrytis-Gefahr ist geringer, dafür ist der Mehltaudruck höher. Dies ist im Frühjahr unproblematisch, aber im Sommer muss eine konsequente Mehltaubekämpfung stattfinden.
Bewässerung und Düngung: Die Bewässerung erfolgt über Tropfleitung. Man richtet sich nach der Bodenfeuchte, wobei es hilfreich ist, Kontrolltensiometer einzubauen. Die Einschaltung der Bewässerung erfolgt bei 150 bis 180 hPa. Die Bewässerung (Tropfschlauch mit drei Einliter-Tropfern pro Meter) lässt man dann etwa eine Stunde laufen. Im Frühjahr reicht es zunächst aus, einmal pro Woche Wasser zu geben. In der Ernte muss bei warmem Wetter ein- bis zweimal pro Tag bewässert werden. Mit der Bewässerung wird gedüngt, wobei bei mittelschweren Böden die Düngergabe ein- bis zweimal pro Woche erfolgt. Die Gesamtdüngergabe liegt im Frühjahr etwa bei 50 bis 70 kg N/ha und im Herbst bei 20 bis 30 kg N/ha. Da in einer Dammkultur die N- Freisetzung sehr hoch sein kann, sollte der Nmin-Gehalt geprüft und berücksichtigt werden. Im Damm sollte der Nmin-Gehalt bei etwa 60 kg N/ha liegen.

Substratkultur in stationären Tunneln
Der Nachbau von Erdbeeren auf der gleichen Fläche ist nur eingeschränkt möglich. Daher werden Wandertunnel in der Regel mit großem Arbeitsaufwand umgebaut. Soll der Anbau hingegen immer auf der gleichen Fläche erfolgen, ist eine Substratkultur erforderlich, die dann auch normalerweise übertunnelt wird. Die Substratkultur kann als Substratdamm oder als Stelllagenkultur erfolgen.
Substratdamm: Es werden Erddämme mit einer etwa 25 cm breiten und 20 cm tiefen Rinne geformt. Danach erfolgt der Abschluss mit einer wasserundurchlässigen Folie. Dränwasser wird durch ein Dränrohr abgeführt. Die Substratrinne wird mit einem Antiwurzeltuch (MyPex) ausgekleidet. Die Rinne wird mit Substrat (Kokos oder Weißtorf) gefüllt und dort werden normalerweise 12 Pflanzen/m in der Doppelreihe gepflanzt. Das Verfahren hat den Vorteil, dass im Betrieb vorhandene Wandertunnel verwendet werden können, die Frühzeitigkeit mit dem Wandertunnel beinahe vergleichbar ist und die Herstellung deutlich preiswerter als eine Stellage ist. Nachteilig ist, dass die Pflückkosten höher sind als in der Stellagenkultur und die Fruchtqualität auch etwas geringer sein kann.
Stellagen: In stationären Tunneln oder alten Glasgewächshäusern werden zunehmend Stellagenkulturen eingebaut. Bei einem Reihenabstand von 1,15 bis 1,25 m ist die Pflanzdichte etwa 20 Prozent höher als im Substratdamm. Dies führt zu höhern Flächenerträge. Da die Früchte frei hängen, sind sie in der Regel von hervorragender Qualität. Auch die Pflückleistung ist etwa 30 bis 40 Prozent höher, da in angenehmer Arbeitsposition im Stehen gepflückt wird. Nachteilig ist, dass im Frühjahr die Ernte eine Woche bis zehn Tage später beginnt als im Wandertunnel. Ursache ist die schnelle Auskühlung des Substrates. Für den Stellagenanbau werden Tunnel mit einer Stehwandhöhe von 1,20 bis 1,40 m verwendet, die durch zusätzliche Quer- oder Längsstreben stabilisiert sind. Die Kosten solcher Tunnel liegen bei etwa 6 bis 10 Euro/m².

Wirtschaftlichkeit des Anbaus
Die Anschaffungskosten einfacher Tunnel liegen bei 4 bis 5 Euro/m². Unter Berücksichtigung einer vierjährigen Abschreibungszeit, der Erstellungskosten für den Damm und den Arbeitskosten ergeben sich jährliche Kosten für den Tunnelanbau von etwa 25.000 Euro/ha. Bei guten Erträgen von 20 bis 24 t verursacht der Tunnel zusätzliche Kosten von etwa 1,00 bis 1,20 Euro/kg. Diese zusätzlichen Kosten müssen durch den Verkaufserlös der Erdbeeren wieder eingespielt werden. Ob dies gelingt, muss innerbetrieblich kritisch geprüft werden. In den letzten Jahren hat dies vor allem in Betrieben mit einer hofnahen Vermarktung geklappt.

Tunnelanbau mit Plus im Direktabsatz
• Der Tunnelanbau von Erdbeeren bietet Vorteile hinsichtlich Frühzeitigkeit, Fruchtqualität und Arbeitsbedingungen.
• Der Wandertunnel wird inzwischen in vielen Betrieben eingesetzt und wird vor allem in der Direktvermarktung
immer wichtiger. Die Ernte beginnt hier in der ersten Maiwoche.
• Für den erfolgreichen Anbau im Wandertunnel ist
vor allem ein termingerechtes Schließen und ein gutes
Lüftungsmanagement entscheidend.
• Die zusätzlichen Kosten von etwa 1 bis 1,20 Euro/kg
beim Anbau im Wandertunnel lassen sich vor allem in
der hofnahen Vermarktung rechtfertigen.
• Der Anbau in Substratdämmen und Stellagen wird in
Zukunft an Bedeutung gewinnen.

Autor: Ludger Linnemannstöns


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